Stand: Juni 2026
Jahrelang war „Full Self-Driving" in Europa vor allem eines: ein Versprechen. Wer einen Tesla in Deutschland, Österreich oder der Schweiz fährt, kannte FSD bislang nur aus US-Videos. 2026 hat sich das Blatt gewendet – zumindest in Teilen Europas. Seit dem Frühjahr rollt FSD (Überwacht) Land für Land aus – und die Dynamik ist beachtlich. Eine Region lässt allerdings noch auf sich warten, ausgerechnet dort, wo besonders viele Teslas unterwegs sind: DACH. Wir haben den aktuellen Stand für dich sortiert.
Der Dammbruch kam aus den Niederlanden
Den Anfang machte am 10. April 2026 die niederländische Zulassungsbehörde RDW. Sie erteilte als erste Behörde Europas eine Typgenehmigung für Teslas Fahrerassistenzsystem FSD (Überwacht) – rechtlich auf Basis der UN-Regelung R-171 und einer Sondergenehmigung nach Artikel 39 der EU-Verordnung 2018/858.
Bemerkenswert ist, wie gründlich der Prozess war: Tesla legte rund 1,6 Millionen Kilometer an Testfahrten auf europäischen Straßen vor, dazu etwa 13.000 Demofahrten mit Kunden und über 4.500 Testszenarien auf abgesperrten Strecken. Der niederländische Verkehrsminister verteidigte die Freigabe Mitte Juni sogar im Parlament und betonte, die RDW habe eigenständig geprüft und sich nicht allein auf Teslas Daten verlassen. Die bisherigen Realdaten aus dem niederländischen Betrieb sprechen für sich – Millionen Kilometer ohne registrierten Zusammenstoß.
Was FSD (Überwacht) kann – und was der Name bedeutet
FSD (Überwacht) übernimmt die komplette Fahraufgabe: Lenken, Beschleunigen, Bremsen, Blinken und Spurwechsel – und navigiert eigenständig durch Stadt- und Autobahnverkehr, von Tür zu Tür. Das „Überwacht" im Namen ist dabei keine Aussage über das Können des Systems, sondern beschreibt das Verantwortungsmodell: Der Fahrer behält die Aufsicht und kann jederzeit eingreifen. Regulatorisch ist das die SAE-Stufe 2.
Konkret heißt das:
- Die Hände dürfen vom Lenkrad („hands-off") – die Augen bleiben auf der Straße („eyes-on").
- Innenraumkameras achten auf die Aufmerksamkeit. Wer länger wegschaut, bekommt visuelle, akustische und haptische Hinweise; reagiert man nicht, gibt das System die Kontrolle zurück und bringt das Fahrzeug notfalls kontrolliert zum Stehen.
- Die rechtliche Verantwortung bleibt beim Fahrer.
Gut zu wissen: Die in Europa freigegebene Software ist eigens für den europäischen Markt angepasst und nicht eins zu eins mit der US-Version vergleichbar – Europa legt etwa beim Einhalten von Geschwindigkeitsbegrenzungen eigene Maßstäbe an.
Der Domino-Effekt: Diese Länder sind schon dabei
Nach der niederländischen Zulassung ging es schneller, als viele erwartet hatten. Andere Behörden mussten nicht bei null anfangen, sondern konnten die RDW-Prüfung per nationaler Anerkennung übernehmen:
- Litauen – 20. Mai 2026
- Estland – 29. Mai 2026
- Dänemark – 9. Juni 2026
- Belgien – 10. Juni 2026
Damit dürfen in mittlerweile fünf EU-Ländern Tesla-Fahrzeuge mit aktueller Hardware FSD (Überwacht) auf öffentlichen Straßen nutzen – per Over-the-Air-Update freigeschaltet.
Den Fortschritt live verfolgen
Damit du nicht jede Behördenmeldung selbst zusammensuchen musst, haben wir eine eigene Seite gebaut: Auf fsd-eu-tracker.de siehst du in Echtzeit, welche EU-Länder FSD (Überwacht) bereits zugelassen haben und wie weit der Weg zur EU-weiten Freigabe ist. Du kannst dich dort außerdem automatisch benachrichtigen lassen, sobald es Neuigkeiten gibt – zum Beispiel, wenn DACH an der Reihe ist.
Und DACH? Hier entscheiden sich die kommenden Wochen
Kommen wir zur spannendsten Frage für uns. Ausgerechnet Deutschland, Teslas zweite Heimat in Europa mit der Giga Berlin, lässt sich noch etwas Zeit. Stand Mitte Juni 2026 gilt:
Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat sich öffentlich nicht festgelegt und die niederländische Typgenehmigung noch nicht anerkannt. Branchenkenner erwarten, dass die Behörde eigene Hochgeschwindigkeitstests verlangen wird – und genau hier liegt die deutsche Besonderheit: Das Autobahnnetz ohne generelles Tempolimit. Ein System, das bei Tempo 130 sicher funktioniert, muss in Deutschland beweisen, dass es auch bei 150 km/h und mehr regelkonform und sicher agiert.
Realistisch heißt das: mehrere Monate zusätzliche Verzögerung. Ein DACH-Start vor dem Herbst 2026 erscheint vielen Beobachtern unwahrscheinlich, manche rechnen sogar erst 2027. Für Österreich und die Schweiz gilt eine ähnliche Wartehaltung.
Es gibt aber einen möglichen Beschleuniger: Ein Votum des EU-Ausschusses für Kraftfahrzeugtechnik (TCMV) wird gegen Ende Juni 2026 erwartet. Fällt es positiv aus, könnte FSD (Überwacht) EU-weit freigeschaltet werden, ohne dass jedes Land eine eigene Vollprüfung durchführt. Allerdings: Große Länder wie Deutschland, Frankreich und Italien haben aufgrund ihres Bevölkerungsgewichts erheblichen Einfluss auf dieses Votum. Es bleibt also spannend.
Was du als DACH-Fahrer jetzt schon wissen solltest
Falls FSD (Überwacht) demnächst auch bei uns startet, entscheidet vor allem deine Hardware darüber, ob du dabei bist:
- Nur Hardware 4 (HW4) ist aktuell zugelassen. Diese vierte Generation der Autopilot-Hardware steckt in den neueren Fahrzeugen.
- Hardware 3 (HW3) – verbaut in vielen Teslas zwischen 2019 und Mitte 2023 – wird laut Tesla niemals den vollen, unbeaufsichtigten Funktionsumfang erreichen. Eine abgespeckte „FSD V14 Lite" für ältere Hardware ist für den Sommer angekündigt, Details stehen aber noch aus.
- Tipp: Prüfe deine Hardware-Generation im Fahrzeug unter Steuerung > Software > Zusätzliche Fahrzeuginformationen, bevor du eine Kaufentscheidung triffst.
Beim Bezahlmodell hat sich ebenfalls etwas getan: Den Einmalkauf von FSD hat Tesla weltweit eingestellt – in Deutschland war er zuletzt bis zum 21. Mai 2026 für rund 7.500 Euro verfügbar. Seitdem gilt das Abomodell: rund 99 Euro pro Monat, mit reduziertem Tarif für Besitzer des früheren Enhanced Autopilot. Der Vorteil des Abos: Du kannst es jederzeit kündigen – sinnvoll, solange die endgültige KBA-Freigabe noch nicht steht.
Unser Fazit
2026 ist das Jahr, in dem FSD (Überwacht) in Europa Realität geworden ist – aber eben noch nicht für uns in DACH. Die Niederlande haben gezeigt, dass die Technik die strengen europäischen Hürden nehmen kann, und der Domino-Effekt über nationale Anerkennungen läuft schneller als gedacht. Ob Deutschland per TCMV-Votum mitzieht oder das KBA auf eigene Autobahn-Tests besteht, entscheidet sich in den kommenden Wochen und Monaten.
Wir behalten die Entwicklung für dich im Blick – am schnellsten bist du über unseren FSD-EU-Tracker informiert, der dich bei Neuigkeiten automatisch benachrichtigt. Und wenn du unsicher bist, welche Hardware in deinem Tesla steckt oder ob dein Fahrzeug für die kommenden Funktionen gerüstet ist, sprich uns an – wir schauen gemeinsam drauf.
Bleib dran – die Reise nach DACH hat längst begonnen. ⚡
Dieser Beitrag gibt den Informationsstand von Juni 2026 wieder. Zulassungstermine sind Erwartungen und Projektionen, keine Garantien – maßgeblich sind die offiziellen Mitteilungen der Behörden und von Tesla.
